Grundlage Verdauung

Grundlagen und Empfehlungen

Der Verdauungsapparat beim Kalb ist zunächst ganz auf die Milchaufnahme ausgelegt. Dabei ist zu allererst die Menge und Qualität des Kolostrums, die das Kalb in den ersten vier bis sechs Stunden aufnimmt, äußerst entscheidend für ein gesundes Kalb. Anders als in der folgenden Tränkeperiode wird eine schnelle Biestmilchaufnahme befürwortet, um das Kalb mit ausreichend im Kolostrum enthaltenen Antikörpern zu versorgen. Sollte das Kalb die angebotene Menge von 3 bis vier Litern nicht beim ersten Mal aufnehmen, darf auf keinen Fall zugewartet werden, sondern mithilfe einer Drenchsonde (z.B. Trusti Tuber®) durch eine damit vertraute Person eingegeben werden. Denn nach dem ersten Kontakt von Eiweiß mit den Darmzotten beginnt sich die sogenannte Magen-/Darmschranke zu schließen und es gelangen kaum mehr komplexere Eiweiße wie Antikörper aber auch Krankheitserreger in den Blutkreislauf.

Im Anschluss wird Milch zur freien Aufnahme (ad libitum) empfohlen. So kann das Kalb in selbstbestimmten Tempo größere Mengen aufnehmen als es bei rationierter Fütterung möglich ist. Die im Speichel enthaltenen Enzyme (vorwiegend Lipasen) sind der erste Schritt zur erfolgreichen Milchverdauung. Der so vorbereitete Milchbrei gelangt nun durch den Schlundrinnen Reflex direkt in den Labmagen. Weiterhin werden im Labmagen Eiweiße überwiegend durch Pepsin und Chymosin gespalten. Die im Labmagen vorhandene Salzsäure dickt (koaliert) die Milchproteine zudem ein. Je feinkörniger der koalierte Milchbrei ist, desto länger hält er sich im Labmagen und ermöglicht den Nährstoffen eine langsame Passage durch den Dünndarm. Dies ist wichtig, da hier die Aufnahme von den in ihre Bestandteile zerlegten Nährstoffen in den Organismus erfolgt. Außerdem wird der Milchzucker (Laktose) die im Bürstensaum des Dünndarms gebildete Laktase in Glucose und Galactose gespalten und kann so aufgenommen werden. Bei der Wahl des richtigen Milchaustauschers muss bedacht werden, dass komplexere Kohlenhydrate aufgrund fehlender Enzyme noch nicht verdaut werden können. Mit zunehmender Tätigkeit der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und steigendem Stärke- und Proteinanteil der Ration gelangen weitere Enzyme in den Dünndarm und sorgen für eine umfangreiche Verdauung.

Während der ersten Lebenstage lassen die Labmagenenzyme die Biestmilch (Kolostrum) gerinnen. Die Konzentrationen von Bauchspeichelenzymen sind dann noch sehr gering. Damit wird sichergestellt, dass die wichtigen Immunglobuline (Antikörper) des Kolostrums während der Passage des Dünndarms nicht geschädigt werden.