Tränkeperiode - Erfolgreiche Kälberaufzucht

Die Biestmilchphase:
Für die Gesunderhaltung eines neugeborenen Kalbes ist es von größter Bedeutung, dieses mit ausreichend Biestmilch in den ersten Lebensstunden zu füttern. Dabei ist eine Mindestmenge von 3 Litern zur ersten Mahlzeit zu geben. Sollte das Kalb diese Menge nicht sofort zu sich nehmen, ist diese Menge mit einer Drenchsonde zu verabreichen, da sich die Blut-Darmschranke für Antikörper mit dem ersten Kontakt mit Eiweißen beginnt zu schließen. Die leider weit verbreitete Einstellung, bei der ersten Mahlzeit nur soviel zu füttern, wie das Kalb selbständig trinkt, kann zu erheblichen Einbußen beim Immunspiegel im Blut des Tieres führen und das Kalb in den ersten drei Wochen bis zur Entwicklung des eigenen Immunsystems stark gefährden. Auch zur zweiten Mahlzeit ist sicherzustellen, dass das Kalb mindestens 1,5 Liter besser aber 2 Liter Biestmilch aufnimmt, da sich die wichtigen Immunkörper auch in der Darmwand festsetzen und so vor Durchfällen und anderen Krankheitserregern schützen. Geringe Mengen an Antikörpern werden auch noch ins Blut aufgenommen. Zur  Biestmilchgabe haben sich 3 Liter Flaschen mit einem entsprechenden Nuckel bewährt. Der Gebrauch von alten Zitzengummis der Melkmaschine als Nuckelersatz ist dagegen nicht empfehlenswert, da die Öffnung viel zu groß ist und damit ein hohes Risiko besteht, dass sich das neugeborene Kalb verschluckt und Milch in die Lunge gerät.
Nach dieser wichtigen Biestmilchphase sollte das Kalb an einen geeigneten Nuckeleimer gewöhnt werden.

Anlernphase:
Zum Anlernen des Kalbes an den Nuckeleimer sollte der gelbe und weichere Milk Bar Sauger verwendet werden. Dieser hat bereits die positiven Eigenschaften der optimalen Speichelentwicklung ist aber durch das weichere Gummi für das Kalb einfacher zum Saugen. Spätestens nach dem zweiten Tag sollte allerdings der Sauger gegen einen schwarzen Milk Bar Sauger getauscht werden, da das Kalb schnell an Kraft gewinnt und der Sauger besser für die höhere Beanspruchung geeignet ist und die Speichelproduktion weiter verbessert wird. Es gilt der Grundsatz immer einen neuen Sauger für ein „neues“ Kalb zu verwenden um eine maximale Speichelproduktion zu erreichen.  In der Praxis hat es sich bewährt, ein bis zwei Milk Bar Eimer mit einem gelben Sauger auszustatten und diese speziell zum Anlernen zu verwenden. Anschließend wird der Eimer gegen einen mit schwarzem neuen Sauger getauscht.

Die Zeit im Einzeliglu / Einzelbox bis zur Gruppenphase:
Die Anzahl der benötigten Einzelboxen ergibt sich aus der angestrebten Gruppengröße der Kälber auf dem jeweiligen Milchviehbetrieb. Dabei gilt der Grundsatz: Lieber zwei kleinere Gruppen als eine zu große. Durch die kleineren Gruppen ergeben sich mehrere Vorteile:

  1. Die Kälber innerhalb der Gruppe sind einheitlicher, da der Altersunterschied geringer ist.
  2. Man hat eine bessere Übersicht der Gruppe
  3. Ein klares Rein- Raus Verfahren ist besser umzusetzen, da mehrere Gruppenbuchten oder –iglus zur Verfügung stehen
  4. Der Bedarf an Einzelboxen ist geringer,  da eine kleine Gruppe früher zusammengestellt ist als eine große. Damit wird die Zeit, die die Kälber in den Einzelboxen verbringen geringer. 
  5. Es wird Arbeitszeit eingespart, da eine Gruppe immer schneller zu versorgen ist als jedes Tier einzeln.
  6. Durch das frühe Zusammenstellen von Gruppen, wachsen Kälber nachweislich besser, da sie als Herdentiere auf soziale Kontakte innerhalb einer Gruppe angewiesen sind und sich hier wohler fühlen.

In der Praxis haben sich Gruppenstärken zwischen 5 und 10 Kälbern bewährt. Größere Gruppen bringen keine weitere Zeitersparnis mit sich.
Beispielhaft ist hier das Gut Hohen Luckow zu erwähnen. Dieser Betrieb  melkt derzeit ca. 2500 Kühe und hält die gesamte Aufzucht. Die Gruppenstärke liegt aber trotz der großen Kuhzahl bei 10 Kälbern pro Gruppe. Diese werden mit dem 10er Milk Bar Tränkeeimer gefüttert, nachdem sie einige Tage in Einzelboxen mit dem 1er Milk Bar Tränkeeimer versorgt wurden. Bilder!
Ist nun die gewünschte Anzahl an Kälbern für eine Gruppe geboren und trinkt das jüngste Kalb gut aus einem Nuckeleimer mit neuem schwarzem Milk Bar Sauger, so können die Kälber in die Gruppenbucht oder das Gruppeniglu umgestallt werden. Je nach Anzahl der Kälber können nun der 5er, 6er oder 10er Milk Bar Tränkeeimer zum Einsatz kommen. Bei größeren Gruppen können auch Tränkeeimer kombiniert werden (z.B. 2x 6er; 1x 6er + 1x 10er). Die Anzahl der Nuckel kann mit Blindstopfen exakt auf die Gruppenstärke angepasst werden. Dies spart Nuckel.
Um immer den richtigen Sauger für jede Gruppe zu haben, ist es von großer Bedeutung in den Einzeliglus für die jüngsten Kälber immer einen neuen schwarzen Sauger zu verwenden. Durch den neuen Sauger werden die Speicheldrüsen und die Kaumuskulatur bestmöglich trainiert. Diese neuen Sauger werden beim Umstallen der Kälber in eine Gruppe aus den 1er Milk Bars ausgebaut und in den entsprechenden Gruppeneimer umgebaut. Es gilt der Grundsatz:  Der Sauger folgt dem Kalb! Es sollte jeweils ein Gruppeneimer für jede Gruppe zur Verfügung stehen und mit einer Nummer versehen sein, um Verwechslungen zu vermeiden.
Dies hat mehrere Vorteile:

  1. Der Milchdurchfluss des Saugers steigt mit zunehmendem Alter automatisch und passt sich dadurch den Bedürfnissen des Kalbes an. Zu Anfang ist eine maximale Speichelproduktion wichtig, um die Labmagenverdauung zu unterstützen. Mit zunehmender Entwicklung des Pansens darf der Milchfluss etwas steigen.
  2. Das Risiko von Infektionsübertragungen von Gruppe zu Gruppe ist minimiert, da für jede Gruppe ein Tränkeeimer vorhanden ist. 
  3. Junge Kälber werden niemals mit alten Saugern gefüttert, was das Durchfallrisiko minimiert. 
  4. Die Tränkeeimer können am Fressgitter jede Gruppe bleiben. Dies spart Arbeitszeit. 
  5. Dieses einfache System ist nachvollziehbar und somit gut an Mitarbeiter zu übertragen. Wird der Grundsatz: „Der Sauger folgt dem Kalb!“ Eingehalten, kann es nicht dazu kommen, dass die Sauger zu alt werden, da nach dem Absetzen einer Gruppe die Sauger entsorgt und der Eimer gereinigt wird.

Die Tränkekurve:
Neue wissenschaftliche Untersuchungen anhand einer Langzeitstudie haben gezeigt, dass es von großer Bedeutung ist, den Kälbern in den ersten 2 bis 3 Wochen ein maximales Körperwachstum zu ermöglichen. Denn in dieser Zeit ist es möglich, die Bauchspeicheldrüse und die Leber in positiver Weise zu beeinflussen. Dadurch ist das Tier auch später in der Lage große Energiemengen besser zu verwerten. Das erwachsene Tier reagiert besser auf Stoffwechselbelastungen, was Auswirkungen auf die Leistung und Nutzungsdauer der Tiere hat.
Für die Praxis bedeutet dies, das Kalb nach der Anlernphase in den ersten Tagen in der Einzelbox ad libitum zu füttern. Ist gewährleistet, dass der Tränkeeimer nicht leer wird, nimmt das Kalb viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich. Dabei verhindert der Milk Bar Sauger, dass es zu Durchfall kommt auch wenn die Milch abgekühlt ist. Die Milch wird in der Speiseröhre ausreichend angewärmt, da sie nur in ganz kleinen Schlücken aufgenommen und bestens eingespeichelt wird.
Nach der Umstallung in die Gruppe sollte die Milchmenge dann auf maximal 4 Liter pro Mahlzeit begrenzt werden, da die Kälber in der Gruppe ein Konkurrenzverhalten entwickeln, und mehr Milch aufnehmen, als wenn sie einzeln gehalten werden. Bei diesen Milchmengen ist es von größter Bedeutung, keine zu alten Sauger zu verwenden sondern den neuen Sauger aus den Einzeleimern der jeweiligen Kälber zu benutzen. Ab der vierten Woche kann die Milchmenge auf 2 bis 3 Liter pro Mahlzeit reduziert werden, da die Kälber zwischen der fünften uns sechsten Woche bis zu einem Kilogramm Kraftfutter aufnehmen können. Ebenso ist das übermäßige Wachstum der Organe die sogenannte metabolische Programmierung jetzt abgeschlossen und die Entwicklung des Pansens steht im Vordergrund.
Bis zur achten Woche werden 2 Liter pro Mahlzeit gefüttert. In der letzten Woche nur noch einmal täglich. Jetzt fressen die Kälber zwischen 1.5 und 2  Kilogramm Kraftfutter und können bedenkenlos abgesetzt werden.

Wasseraufnahme:
Durch die starke Speichelproduktion gerade in den ersten Lebenswochen der Kälber nehmen die Tiere schon nach wenigen Tagen größere Mengen an Wasser auf. Daher sollte schon ab dem dritten Tag Wasser zur freien Aufnahme angeboten werden. Dabei sollte Wasser niemals aus einem Nuckeleimer gegeben werden, denn durch die Aufnahme über einen Nuckel wird der Schlundrinnenreflex ausgelöst und das Wasser gelangt direkt in den Labmagen. Wasser sollte aber erst in den Pansen gelangen, um diesen zu spülen und zu dehnen.

Kraftfutteraufnahme:
Für eine gute Pansenentwicklung ist die frühe Aufnahme von stärkehaltigem Kraftfutter wichtig, da das Wachstum der Pansenzotten umso höher ist, desto mehr Stärke aufgenommen wird. Dieser Sachverhalt begründet auch, dass es während der Tränkeperiode nicht zweckmäßig ist, Heu oder Silagen anzubieten. Denn der Pansen ist, bedingt durch die noch sehr kleinen Pansenzotten, noch nicht in der Lage, große Mengen an Raufaser zu verarbeiten. Heu bleibt so für eine lange Zeit im Pansen und blockiert diesen für weitere Kraftfutteraufnahmen. Dadurch verlangsamt sich die Pansenentwicklung. Optimal ist ein Kraftfutter aus gebrochenem Mais, Soja und Mineralstoffen. Die grobe Struktur der Maiskörner verhindert ein Verkleben der noch kleinen Pansenzotten und ermöglicht durch den großen Stärkeanteil ein schnelles Pansenzottenwachstum. Wichtig ist allerdings ein hoher Anteil von grob gebrochenem Mais >=80 %. Sind diese Qualitäten.